Montag, 16. November 2009

Tanzende Arbeiter

KCTU Manifestation 7th November 2009 in Seoul.
The workers of Ssangyong with their amazing performance about their sit-strike May until August this year.
Impressionable atmosphere.
This is the international version of the movie "Die tanzenden Arbeiter von Ssangyong" http://www.youtube.com/watch?v=zOFCQj...
but without german subtitles.

Greetings from Germany to Japan and Korea!





Ein unbestreitbarer Höhepunkt der Kundgebungsreihe des kämpferischen südkoreanischen Gewerkschaftsverbandes KCTU war der Auftritt der Arbeiter von Ssangyong Motorenwerke am Abend des 7.11.2009.
Die Arbeiter von Ssangyong hatten ab Mai 2009 als Kampfmaßnahme gegen eine massive Entlassungswelle ihren Betrieb besetzt. Wochenlang verteidigten sie sich gegen Streikbrecher, angeheuertes Security-Personal und schließlich gegen die Polizei.
Sie schlugen militant mehrere Versuche, den besetzten Betrieb zu erstürmen, mit großer Militanz zurück.
Auf der Kundgebung waren sie die unstrittigen Helden der Veranstaltung und der gesamten südkoranischen Arbeiterbewegung.
Obwohl der von beiden Seiten überaus hart geführte Besetzungsstreik ("Sitzstreik") nur ein Teilsieg war, und mithin auch eine Teilniederlage (nicht alle entlassenen Arbeiter wurden wieder eingestellt) sind die Arbeiter von ssangyong durch ihren Mut und ihre Tapferkeit zum gefeierten Vorbild der südkoreanischen Arbeiterbewegung geworden.
Unglaublich jedoch die Tatsache, dass Arbeiter von Ssangyong auf der Tribüne mit den Mitteln des Tanztheaters (ein sehr typisches Assessoire der koreanischen Arbeiterbewegung) ihren harten Arbeitskampf selbst darstellten und dann - nach einer kruzen sehr kämpferischen Rede eines KCTU - Sprechers - auf der Bühne mit dem in viele zehntausende gehenden Publikum tanzten.
Dieser Film umfasst annähernd den gesamten Auftritt der Ssangyong-Arbeiter und übermittelt ein eindrucksvolles Bild von dem ungebrochenen Optimismus und der ungebrochenen Kampfkraft der Bewegung.

Wer sich näher über den spektakulären Arbeitskampf bei Ssangyong informieren möchte (allein schon um die Stimmung in diesem Film hier zu verstehen), dem seien folgende Links empfohlen:

http://www.youtube.com/watch?v=PLXCRz...
http://www.youtube.com/watch?v=xzIOmK...
http://www.youtube.com/watch?v=znMSlq...
http://www.youtube.com/watch?v=ArTION...
http://www.linkezeitung.de/cms/index....



Freitag, 21. August 2009

Sonntag, 5. Juli 2009

http://tamagothi.wordpress.com/2009/04/18/elektrisches-auge/


18. April 2009...02:29

Elektrisches Auge

Zu den Kommentaren

Aus aktuellem Anlass und mit nasskaltem Gruß an ZensUrsula von der Leyen heute wieder einmal ein flugs übersetzter Songtext aus meiner Jugend, in der es selbst in der populäreren Musik noch etwas gab, was im gegenwärtigen Auswurf der Contentindustrie gar nicht mehr vernehmbar ist: Mit wirklichem Mitteilungswillen verbundene und zitierfähige Texte.

Elektrisches Auge

Hier oben im Raum
Schaue ich auf euch hinab.
Meine Laser verfolgen
Alles, was ihr tut.
Ihr glaubt, dass ihr ein Privatleben habt…
Glaubt doch nicht an so etwas!
Es gibt wahrlich kein Entkommen,
Ich bin ununterbrochen wachsam.
Ich bin aus Metall gemacht,
Meine Schaltungen glimmen.
Ich bin unvergänglich.
Ich halte das Land sauber.
Ich bin der ausgewählte elektrische Spion;
Augengeschütztes, elektrisches Auge.

Immer im Blickpunkt;
Ihr könnt mein Glotzen nicht fühlen.
Ich zoome in euch hinein;
Ihr wisst nicht, dass ich existiere.
Es macht mich stolz, eure geheimen Bewegungen zu untersuchen.
Meine tränenlose Netzhaut macht Bilder, die als Beweise gelten.
Elektrisches Auge, oben am Himmel,
Fühlt, wie ich glotze, wie ich immer da bin;
Es gibt nichts, was ihr dagegen tun könnt.
Entwickelt und offen gelegt,
Ich weide auf jedem eurer Gedanken;
Und das lässt meine Macht groß werden:
Geschütztes, überwachendes, elektrisches Auge.

Frei nach “Electric Eye” von Judas Priest
(1982 auf “Screaming For Vengeance” veröffentlicht)

Die Übelsetzung und alle — trotz der recht scharfen und deutlichen Aussprache von Rob Halford eingeschlichenen — Verhörer sind von mir. Ich habe mich beim Übertragen entschieden, das in seinem Numerus unbestimmte englische “you” in der Pluralform zu übersetzen, im Englischen ist es auch als direkte Ansprache eines einzelnen Gegenübers zu verstehen. (Jüngere Sprecher des amerikanischen Englisch disambiguisieren dies zuweilen durch die analytische Konstruktion “you all” oder kontrahiert “y’all” für die zweite Person Plural, und diese umgangssprachliche Konstruktion hat gute Chancen, es in Zukunft einmal in die offiziellen Grammatiken zu schaffen.) Diese kleine Unbestimmtheit gibt dem englischen Originaltext eine zusätzliche gefühlte Schärfe und Härte, die sich nicht durch Übertragung in ungekünstelte Alltagssprache in das Deutsche hinüberretten lässt. Auch ist es unmöglich, die Homophonie von “I” (ich) und “eye” (Auge) und die daraus gezielt gebauten Unbestimmtheiten zu übertragen — ich bin mir selbst nicht darüber sicher, dass ich jedes Mal die beabsichtigte Bedeutung getroffen habe. Überall, wo “Auge” steht, kann auch “ich” gemeint sein, und umgekehrt — und da das “elektrische Auge” als Icherzähler auftritt, wird diese Überschneidung prägend für die Wirkung des Textes. Obwohl Judas Priest — im Gegensatz zu einigen anderen Vertretern des klassischen heavy metal — im Allgemeinen keine auffallend gestelzte Sprache pflegte, ist die Übersetzung einiger Songtexte doch schon sehr schwierig, und mit dem hier entstandenen Ergebnis bin ich alles andere als zufrieden.

Nach diesen Anmerkungen zu den Schwächen meiner Übelsetzung nun noch eine Kleinigkeit zum Hintergrund, warum ich diesen Text in das Bewusstsein rufen möchte:

Dass es mit den Freiheitsrechten in der BR Deutschland unter den Ideen einer Demagogin wie ZensUrsula von der Leyen und ihren allzu willfährigen Schergen unter den großen Zugangsprovidern nicht mehr so weit her ist, werden einige Leute wohl erst dann bemerken, wenn sie einen Proxyserver oder Nameserver aus China in ihre Netzwerkkonfiguration eintragen, um wieder an einem ungefilterten Austausch der Menschen Teil haben zu können. Und viele andere Menschen werden es nicht einmal dann bemerken, weil sie sich völlig mit der Tagesschau, den Talkshows, der Bildzeitung und DSDS zufrieden geben. Die neue Zeit der dezentralen Medien wird an der entstehenden great firewall of Germany erwürgt, bevor sie auch nur eine gesellschaftliche Wirkung entfalten konnte.


http://tamagothi.wordpress.com/2009/06/30/elias/

Elias



Hör meine Stimme,
Sie erzählt Geschichten;
Erzählt einfach nur die Wahrheit
Über manche Menschen
Für die nichts gerechtfertigt ist,
Die nur für dich beten.
Ein ausgehungerter Mann muss das sein
Der gern vernehmen möchte
Was diese verkrüppelten Gemüter erzählen.
Grüße von mir –
Sie gehen mit dem Wind.

Ich habe nicht die Absicht
…zu vergessen
…nachzutrauern
…mich an diese ganze Zeit zu erinnern;
…zu vergessen
…nachzutrauen
…mich an alle diese Dinge zu erinnern;
…zu vergessen
…nachzutrauern
…mich an all diese Jahre zu erinnern
Bei euch, bei euch.

Hör meine Stimme,
Sie erzählt Geschichten;
Erzählt einfach nur die Wahrheit
Über den ahnungslosen Elias,
Das Lügen dort bei dir.
Ahnungsloser Elias,
Die blutroten Erlöser
Werden niemals nach Hause kommen.
Grüße von mir –
Sie gehen mit dem Wind.

Ich habe nicht die Absicht
…zu vergessen
…nachzutrauern
…mich an diese ganze Zeit zu erinnern;
…zu vergessen
…nachzutrauen
…mich an alle diese Dinge zu erinnern;
…zu vergessen
…nachzutrauern
…mich an all diese Jahre zu erinnern
Bei euch, bei euch.

Wolfsheim, Elias | YouTube-Direktlink
Die Übelsetzung ist von mir und hat gewisse Schwächen in bewusst ambig gehaltenen Textpassagen , sollte aber völlig frei von Verhörern sein.


Samstag, 4. Juli 2009

Felsenwälzer

http://www.duckhome.de/tb/archives/6837-Felsenwaelzer.html


Samstag, 4. Juli 2009

Felsenwälzer

Eigentlich wollte ich mich an dieser Stelle nochmal richtig schön aufregen. Über die Arroganz der Europäer im allgemeinen. Über ihre Anmaßung, den Wert des Protestes im Iran beurteilen zu können im besonderen. Ich wollte auch nochmal sehr selbstkritisch hinterfragen, was wir Besser- bzw. Alleswisser während der letzten 20 Jahre getrieben haben. Waren wir im Widerstand? Haben wir den Neoliberalismus verhindert? Größtenteils hatten wir uns alle ganz gut arrangiert, wollte ich sagen. Und dass die crème Proseccosaufend beim Italiener rumlungerte. Soll bloß keiner von uns so tun, als könnten wir Phoenix-gleich aus dem Neoliberalismus auferstehen – und schwupps – schon befänden wir uns im besseren Leben. Ist es nicht vielmehr so, dass wir gar keine Vision vom besseren Leben haben?

Den Widerständischen im Iran oder anderswo, - unseren demonstrierenden Jugendlichen hier vor Ort oder anderswo, - den vielen Streikenden, - denjenigen, die keine Kraft mehr zum Protest haben, den Resiginierten – was haben wir ihnen zu sagen? Wie sieht er aus, unser Zukunftsentwurf? Ja, ja. Der Weg ist das Ziel. Auch so ein Spruch, der sich eine Zeitlang sehr gut machte. Und was ist, wenn wir bei der ersten Kreuzung wie die aufgescheuchten Hühner hierhin und dorthin laufen?

Die Wahl im Iran und die hiesigen Reaktionen auf die anschließenden Proteste glichen einem kopflosen Gerenne. Aufs Treppchen kam, wer am lautesten dabei schrie! Und unsere hartnäckigsten Patriarchatsverherrlicher hatten auch die Gunst der Stunde erkannt, um im allgemeinen Kampfgetümmel schnell ihre Losung zu platzieren. Stimmts, Männer? Entschuldigung, aber ihr habt sie doch nicht mehr alle! (Kurzes statement von mir: die Zukunft wird überall auf der Welt von Männern und Frauen gemeinsam besprochen werden, die willig und fähig zu gleicher Augenhöhe sind.) Zum Glück hat sich inzwischen ein wenig Distanz und Realitätssinn eingestellt und man bekommt die eine oder andere kühle Analyse zur Situation im Iran präsentiert. Bleibt das Unbehagen über unsere eigene geistige Verfaßtheit.

Mitten während dieser Überlegungen fiel mir eine Stelle im Goldenen Notizbuch von Doris Lessing ein. Sie handelt von der Dummheit. Und weil ich dieses Bild, das sie entwirft, so aussagekräftig finde, gebe ich es hier zum besten. Ich erspare mir mein Gezeter und denke stattdessen noch ein wenig über die sonderbare Arbeit der Felsenwälzer nach. Vielleicht auch über die großen Männer oben auf der Bergspitze, (dem Gipfel der Dummheit...).

Weder Kannibale noch Opfer, - sie werde Felsenwälzer, sagt die Frau zum Mann. Was das sei, fragt er. Und sie antwortet:

„Es gibt einen großen schwarzen Berg. Das ist die menschliche Dummheit. Es gibt eine Gruppe von Leuten, die einen Felsbrocken den Berg hinauf wälzen. Wenn sie ein paar Meter hochgekommen sind, gibt es einen Krieg oder die falsche Revolution, und der Felsbrocken rollt hinunter – nicht ganz hinunter, er bleibt immer ein paar Zentimenter oberhalb der Stelle liegen, wo er zuletzt lag. Also drücken diese Leute ihre Schultern gegen den Felsbrocken und beginnen ihn wieder hinaufzuwälzen. Währenddessen stehen ein paar große Männer auf der Bergspitze. Manchmal blicken sie hinunter und nicken und sagen: Gut, die Felsenwälzer sind noch an der Arbeit. Aber inzwischen grübeln wir über den Weltraum nach, oder wie es sein wird, wenn die Welt voll von Leuten ist, die nicht hassen, sich nicht fürchten und nicht morden.“


PS:
Kaum schließe ich diesen Eintrag, gibt es lustige Thesen von Doris Lessings Neffen. Gregor Gysi. Spiegel-online (tschuldigung, schon wieder) vermeldet: "Er wünsche sich manchmal, ´nicht jeder bei uns fühlte sich berufen, Weltpolitik zu machen`" und meint mit jeder wohl die Ideologen und Sektierer aus dem Westen. Richtig, Gregor Gysi, nicht jeder ist berufen, bei den "großen Männern auf der Bergspitze" zu stehen. Und das mit dem schlechten Rotwein ist auch peinlich. Aber woher weiß er, dass es nur Petting gab? (Wer hat denn hier gepetzt, Mädels?) Und noch eine Kleinigkeit: wußte gar nicht, dass im Osten immer guter Rotwein getrunken wurde. Na sowas.


Geschrieben von
Luise
in Deutschland um 17:33

Auf der Tretmine

http://ad-sinistram.blogspot.com/2009/07/auf-der-tretmine.html


Samstag, 4. Juli 2009

Es ist, als würde die besinnliche Stille eines Waldspazierganges, diese trügerische Sturmesruhe zwischen Bäumen und Wiesen, durch ein leises, aber doch in der Stille fein vernehmbares Knacken durchrissen. Man bleibt stehen, blickt um sich, bekommt zögerlich einen vagen Schimmer, woher dieses fremde Geräusch vernommen wurde, lugt hinab auf den Schuh des Standbeines, woher es unter der Schuhsohle knackend hervorkroch. Es ist, als würde man dessen gewahr, einer knackenden Tretmine auf den Kopf getreten zu sein. Man erahnt zwar nur, ob es sich um jenes Kriegsutensil aus den Werkstätten menschlicher Zivilisation handelt, aber zwischen Vermutung und Hoffen und Bangen schiebt sich die Gewissheit, dass ein nächster Schritt, und sei es auch nur ein winziger Schritt vor, zurück, nach rechts oder links, ein plötzliches Ende zur Folge hätte. Vernimmt man dann noch ein Ticken, ein stoisches, gleichmäßiges, in die Stille des Waldes hineintretendes Ticktack, welches gleich einem Autisten keine Verbindung den Dingen um sich kennt, so beschleicht einen der Gedanke, dass selbst das Ausharren auf der Mine, das sture Verweilen der Sohle an Ort und Stelle, irgendwann dank eines Zeitzünders zu detonierendem Ende führen werde. Man weiß es nur ungenau, man erahnt nur, man will von der Aussichtslosigkeit des Stehenbleibens, dem langsamen Ende herunterzählender Zeit, nichts wissen. Ohne dem Vergessen, ohne der Gabe der Naivität, wäre eine Aufrechterhaltung des Lebens undenkbar – wer vergisst, wer naiv verdrängt, dem wird Leben gespendet, wenn auch nur als Zeitkontrakt.

So steht man stundenlang, wie ein Gelähmter an der Stelle des heruntergedrückten Zündstiftes, reflektiert über seine Lage, ersinnt Fluchtpläne, die einem nicht den Rumpf von den Beinen und Armen abtrennt, eine Weile später Fluchtpläne, die einem wenigstens nur ein Bein kosten, nochmals später Fluchtpläne, bei denen man wenigstens eine Extremität zu behalten vermag. Obzwar man frei ist, man hingehen kann, wohin es beliebt, diese Freiheit, das wird einem schnell begreiflich, ist keine gehende, keine beliebige, sie ist eine robbende, kriechende, eine verblutende, die Freiheit fehlender Nachhaltigkeit, die Freiheit des Moments - vielleicht die einzige absolute Freiheit des Menschen. Ängstlich nistet man sich in der Gefangenschaft ein, erst ernüchtert, verängstigt, dann die Kette zur langen Leine verklärend, lockert die Kette hie und da, versucht aus der Anstrengung des Stehens in eine Entspannung des Sitzens zu geraten, immer die Schuhsohle satt auf den Stift pressend, immer mit Bedacht, keine Vibrationen entstehen zu lassen, sicher sei schließlich sicher. Tage und Nächte vergehen, man schläft sitzend zusammengekauert, redet sich ein, man hätte nie besser geschlafen, liegendes Schlafen sei zivilisatorischer Luxus, fern der Natur des Menschen. Man speist passierende Käfer, saugt deren Mark aus den winzigen Gliedern, befriedigt so seinen Durst, schlürft den Morgentau von den Grashalmen, kaut langsam und mit viel Genuss Gräser und kratzt den Vogelschiss, der als unregelmäßige Lieferung hinabgeschleudert wird, aus dem Haar, lutscht und schlürft daran und erfreut sich der wertvollen Nährstoffe, erfreut sich des würmischen Gustos, das trotz Verdauungstätigkeit von Stieglitz, Blaukehlchen, Nachtigall geschmacklich erhalten blieb. So, und nur so, ernähre sich der wahre Mensch, der Mensch im Einklang mit der Natur; so, und nur so, dürfe der Mensch sich sättigen; so, und nur so, ist aus der Ware Mensch der wahre Mensch zu verwirklichen. Aus der Kette, aus der Bürde, aus dem starren, bereits gefühlskalten Fuß, ist die absolute Freiheit entwachsen. So zu speisen, seinen Darm düngend in den sättigenden Wiiesen rundherum zu entleeren, seinen Harn gleichfalls abzulassen, im Sitzen zu leben und zu schlafen: all das ist zur Freiheit geworden, ist keine Notwendigkeit aus der Situation heraus, sondern Ausdruck von tief verwurzelter Überzeugung. Nicht der Zündstift regelt dieses Leben, sondern das Leben nistet sich am Zündstift. Und das Ticken, dieser stete Begleiter, ist keine drohende Akustik mehr, es ist der Takt des Lebens, der florierende Puls der neuen Freiheit. Es bejaht das Dasein am Zündstift, die lebensverneinende Bedeutung ist entschwunden.

Es ist, als säße man zu Füßen einer Mine, um sich blickend, zufrieden in die Welt und in die Zukunft glotzend, sich labend an den Köstlichkeiten der kreuchenden und fleuchenden Natur. Währenddessen die tickende Vergänglichkeit, die zur lebensbejahenden Ader geworden ist, leugnend oder beschönigend, das eigene, an den Zuständen ausgerichtete Leben als besseres, vorallem aber freiwillig gelebtes Leben preisend. Wer hat schon täglich Bäume und Wiesendüfte auf seinem Tagesprogramm? Wer verköstigt sich schon täglich mit den Annehmlichkeiten der Natur, ißt wie ein Edelmann? Es ist kein Arrangement mehr, es ist tiefe, unverbrüchlich verankerte Überzeugung. So tief, so verankert, dass ein hilfsbereiter Wanderer, der den Freiheitsüberzeugten aus seiner Lage befreien möchte, zum Angreifer wird, zum Mißgönner dieser harrenden Freiheit. So sehr, dass ein solcher Störenfried in seinem Eifer unterbunden werden muß, notfalls mit Gewalt, notfalls durch Totschlag. Es ist, als würde man einer hilfsbereiten Hand, den Befreier aus der zur Freiheit gewordenen Not, den Schädel zertrümmern. Als würde man zum Mörder einer Freiheit, die nur innerhalb der Windungen der Kettengliedern heimisch war. Und doch mordete man nicht, man befreite sich lediglich von der drohenden Unfreiheit, man verteidigte sich, handelte aus Notwehr. Wer würde in der Unfreiheit das Ticktack ersetzen, würde den Takt des Lebens in die eigene kleine Welt hinausticken? Wo bekäme man den Genuss frischer Maden und Käfer aufgetragen? Könnte man den ausgeschiedenen Darminhalt weiterhin als Dünger nachwachsender Graseskost verwenden? Das Leben am Fuße des Fußes auf dem Zündstift, hat seine Versprechungen erfüllt, Freiheit garantiert und verwirklicht. Es ist, als hätte man das Lebensglück gefunden, als hätte man aus dem Pech seines Lebens die Essenz der Glückseligkeit gepresst.

Samstag, 18. April 2009

Im gutem Glauben

http://ad-sinistram.blogspot.com/2009/04/im-gutem-glauben.html


Samstag, 18. April 2009

Straffreiheit für Folterknechte, weil diese im „gutem Glauben“ genötigt hätten. Weil sie sich auf die Einschätzungen des Justizministeriums, auf die eigene Sache, verlassen haben; weil sie nur gehandelt hätten nach Richtlinien und Maßstäben, die man ihnen als Tatsache des guten Glaubens verabreicht habe. Wenn dann Knochen knacken, wenn Subjekte – man spricht nicht mehr von Menschen, damit machbar wird, was menschlich gar nicht machbar wäre – wimmern, wenn sie jammern und weinen, um Erlösung beten, wenn sich Körper winden unter Stromstössen, wenn Münder wild nach Luft schnappen, nachdem man sie samt Kopf minutenlang unter Wasser drückte, wenn dem Subjekt eine irdische Hölle dargebracht wird, dabei Informationen seitens der Machthaber dieses Vorgehen legitimieren, zur Notwendigkeit im Namen des nationalen Interesses interpretieren, dann handelt man im gutem Glauben, ist kein Henker, kein Täter, sondern Opfer - Glaubensopfer.

Dabei wäre es nur konsequent, denn die Großen läßt man ja sowieso laufen. Warum also nicht auch die Kleinen? Damit wäre der Vorwurf, wonach immer nur die Kleinen bluten müßten, während die Großen davonkämen, vom Tisch – so einfach kann Gerechtigkeit verteilt werden! Dabei ist dieser Ausspruch schwindender Gewaltherrschaften, wonach Kleine gehängt würden, während Große freikämen, nichts weiter als das selbstgefällige Jammern ganzer Bevölkerungen, die alle Schuld den Machthabern zuschieben wollen, um sich selbst einigermaßen unschuldig fühlen zu dürfen. So war es nach 1945, so war es nach dem Mauerfall – KZ-Wärter und Mauerschützen wurden teilweise verurteilt, Nazi-Bonzen und Honecker flüchteten nach Südamerika. Obama schürt also Gerechtigkeit, denn er verurteilt beide nicht, macht Straffreiheit zum großen Gleichmacher, der über jede soziale Grenze hinweg Gewissen reinwäscht. Und bevor man die Foltergesellen, die sich die Hände persönlich blutig gemacht haben, einem Gerichtsverfahren unterzieht, während Bush und Rumsfeld ihre ins Trockene gebrachten Schäfchen zählen, gleicht man die Bedingungen einfach an.

Dabei wäre das Prinzip, auch die kleinen Ganoven, die Helfershelfer, die Mitläufer und ausführenden Kräfte, die nur im gutem Glauben agieren, die Öfen in Auschwitz nur liefen ließen, weil Statuten und Befehle dies vorgaben, eine gebotene Notwendigkeit. Freilich, auch die Granden, die sich das ganze Spiel, die Regeln der Veranstaltung, ersonnen haben, dürfen nicht davonkommen. Aber es gibt keinen Grund, solche, die das Regelwerk erfunden haben, härter zu bestrafen, als diejenigen, die das Regelwerk "lediglich" munter anwandten. Die Idee zu Foltern ist moralisch nicht verwerflicher, als die selbst begangene Folterung am Mitmenschen. Ja, man muß die Kleinen mit aller Härte bestrafen, sie den gleichen Maßstäben unterziehen, denn unter dem Eindruck blutiger Leiber, jammernder Menschen, unerträglich abgehungerter Gestalten, tot herumliegender Kinder, so wie vor geraumer Zeit; und unter dem Eindruck sich erbrechender Menschen, die in arabischer Sprache um Gnade betteln, die Dinge zugeben, von denen sie nicht einmal eine Ahnung hatten, dass es sie gibt, unter der ethischen Bürde einknickender Charaktere, verheulter Gesichter, suizidaler Verhaltensweisen, kann kein guter Glaube entstehen. Wenn Obama diese Floskel benutzt, dann verhübscht er die Tatsache, dass ein solcher Glaube, ein Höllenkult ist; sicherlich eine Form des Glaubens, aber nicht gut. Es ist der Glaube an das Schlechte im Menschen, an das Schlechte das man am Mitmenschen begehen kann, um dessen Schlechtes herauszuquetschen. Dieser „gute Glaube“ ist lediglich der im Militärareal eingegrenzte Kult des Perversen, eine zum Glauben gewordene Gewaltorgie, die das Knochenbrechen als Amen und den von Stromzufuhr zuckenden Körper als Kruzifix begreift. Was die Menschheit nicht vermochte, nämlich ein irdisches Paradies zu erschaffen, erschuf sie im Negativen. Die irdische Hölle, als Ort des guten Glaubens. So einen paradoxen Zustand kann nur das paradoxe Wesen des Menschen hervorrufen. Mit Camus gesagt: „Wir Kinder dieser Jahrhundertmitte brauchen keine anschaulichen Schilderungen, um uns derartige Orte vorstellen zu können. Vor hundertfünfzig Jahren brachten Seen und Wälder das Gemüt zum Schwingen. Heute stimmen Lager und Gefängniszellen uns lyrisch. Ich überlasse die Ausmalung also vertrauensvoll Ihrer Phantasie.“

Die Hölle als Prinzip des Irdischen. Denn mit der Schließung dieses Schattenreiches brechen sicherlich keine paradiesischen Zeiten über uns herein. Die ohne rechtliche Grundlage internierten Muslime kehren in ihre Heimatländer zurück, verbittert über die USA, die foltern ließen, aber auch verbittert über die ganze westliche Welt, die Kriege im Namen der Demokratie mitgetragen hat, die aber demokratische Behandlung für die Internierten nicht zum Gegenstand einer Debatte machen wollte. Und zu allem Überdruss werden die Teufel, die sich frisch ans Blutwerk machten, die ihnen Elektroklammern an Brustwarzen setzten, sie nackt auszogen und demütigten, freigesprochen von aller Schuld, weil sie ja im Sinne des guten Glaubens unschuldig seien. Mancher inhaftierte Taliban, der den Lehren seiner Herren folgte, der womöglich seine Frau kleinhielt und Musik ächtete, war ebenso dem guten Glauben seiner Herrn erlegen. Doch das ist bedeutungslos, er folgte im gutem Glauben dem Falschen – was wir für falsch erachten. Verbittert kehren sie zurück, und Obama sei Dank auch gedemütigt, denn ihr erlittenes Leid ist nicht einmal einer Gerichtsverhandlung wert. Die vielgepriesene Demokratie, die die USA in die Welt bomben wollten, ist nicht einmal dazu in der Lage, die eigenen Quälmeister zu belangen, sie zu verurteilen. Das Leid des Moslems zählt nichts, es ist belanglos, selbst wenn es offensichtlich in einem illegalen Umfeld passiert, selbst wenn fassbares Unrecht waltet, selbst wenn sogar jedem ethisch unbegabten Menschen einleuchtet, dass hier eine ganz große Sauerei begangen wurde. Solche Gestalten straffrei zu belassen, ist ein eindeutiges Zeichen an die muslimische Welt. Was Obama hier betreibt ist die Hölle, denn mit solchen Maßnahmen, nähert man sich dem Islam nicht an, man stößt ihn weg, sorgt für weitere irdische Unterwelten, neue Horrorszenarien, in denen Blut fließt, Körperteile fliegen und Tränen vergossen werden.

Nebenbei gliedern sich diese Knechte der Unmenschlichkeit heimlich, still und leise in die US-amerikanische Gesellschaft ein; seelische Krüppel, die aus gutem Glauben heraus Leid verteilten, ohne auf die Idee zu kommen, dass sie etwas tun, nationale Sicherheit hin oder her, was aus humanistischen Gründen niemals gerechtfertigt sei. Befehl war Befehl, Anordnung war Anordnung. Man habe nur so gehandelt, weil man mußte. Persönlich sehe man das vielleicht anders, aber es gibt Richtlinien. Wo käme man da hin, wenn plötzlich jeder sein Gewissen zum Maßstab erhebt? Den Deutschen muß man solche Ausreden nicht erklären, ältere Jahrgänge haben sich gerne dieser Litanei an Ausflüchten bedient, jüngere Jahrgänge haben diesen amoralischen Quatsch, den zur Ausrede gewordenen Untertanengeist viel zu oft hören müssen. Es hat lange genug gedauert, bis man offen erklären konnte, dass nicht nur die Hitlers und Himmlers schuldig seien, sondern auch die Mayers und Hubers, die uniformiert Befehle umsetzten, die freiwillig kein klar denkender Mensch einem anderen Menschen antun würde. Und solche Gestalten, die sich hinter Uniform und Vorgesetzten verstecken, damit ihre mangelnde charakterliche Erscheinung gar nicht erst sichtbar wird, werden der US-amerikanischen Gesellschaft zugeführt. Während man dort wie hier, Menschen (zu recht) verurteilt, weil sie andere Menschen vergewaltigen oder gewaltsam ausrauben, während man sogar prügelnde Jugendliche strafrechtlich verfolgt, sollen die staatsgelenkten Gewalttäter, die menschliche Wesen mit Gewalt gebrochen und deren Seelen vergewaltigt haben, mit Straffreiheit auszeichnet werden. Der staatliche Gewalttäter hat, wie beinahe immer, einen Freifahrtschein. Im Namen der Nation ist Mord kein Mord, Folter keine Folter – im Namen der Nation nennt man es Krieg oder Liquidierung, nennt man es Notwendigkeit aus Gründen der nationalen Sicherheit. Des Staats Euphemismen fördern den guten Glauben, sie lassen es zu, dass Menschen zu Henker werden, Gewalt mit froher Miene austeilen. Solche Henker, die im Sinne des Staates keine Henker sind, sondern dessen Mitarbeiter, treuergebene Angestellte, haben nicht pervers genug gehandelt, um die eigene Bevölkerung vor ihrem entmenschlichten Wesen schützen zu wollen. Was für den Vergewaltiger gilt, gilt nicht für den Henker.

Es mag nur eine Randerscheinung in Obamas Politik sein, eine belanglose Entscheidung, die zunächst niemanden wehtut. Aber betrachtet man diesen realpolitischen Nihilismus der Straffreiheit, wird klar, dass Obama nicht einmal im Ansatz der Heiland ist, zu dem man ihm gemacht hat. Er betreibt das Geschäft staatlicher Dominanz- und Repressionspolitik, wie es sein direkter Vorgänger betriebt. Er betreibt es vielleicht von der anderen Seite, ein wenig gezügelter, mit charmanter Miene – aber er betreibt es. Der Respekt vor der muslimischen Welt bleibt Phrase, weil das Leid der Internierten ihm nicht einmal ein Strafprozess wert ist, weil er Unrecht zum Gleichmacher erklärt, die mandatsträchtigen Erfinder und Befürworter der Folterpolitik ebenso zufrieden läßt, wie diejenigen, die befürwortend mitmachten. Pragmatismus nennt man das, politische Notwendigkeit sei das, dabei ist es nichts anderes als Nihilismus und damit eine Verschlechterung der Weltzustände.

Mittwoch, 15. April 2009

Was ihr dem Geringsten meiner Brüder...

http://ad-sinistram.blogspot.com/2009/04/was-ihr-dem-geringsten-meiner-bruder.html



Mittwoch, 15. April 2009

Wo den gesellschaftlich Ausgestoßenen geschmäht wird, da wird auch mir geschmäht.
Wo des Ruheständlers Lebensberechtigung angezweifelt, sein Alter als Bürde für die Gemeinschaft verunglimpft wird, da entzieht man auch mir die Lebensberechtigung und macht mich zur Bürde.
Müssen Kinder mit gesellschaftlichem Segen in Armut ausharren, so wandle ich zum harrendem Kinde.
Raubt man Kranken in finanziellen Zwängen die Therapie, die Hoffnung, die Schmerzfreiheit, so wirft man mich ebenso in Schmerzen, nimmt mir ebenso Hoffnung.
Leidet der Wanderarbeiter an Ruhe- und Heimatlosigkeit, sieht seine Zukunft als schwarzes Loch, so ist auch meine Zukunft löchrig und schwarz, so hemmen auch mich fehlende Ruhe und verlorengegangene Heimat.
Spottet man Behinderter, grenzt sie aus, sieht sie als humane Mangelerscheinungen, möchte auch ich ausgegrenzt, verspottet und als Mangelerscheinung verschrien werden.
Benachteiligt man Schwule, reimt man ihre sexuelle Emanzipation zu Spöttelversen, so stiehlt man auch mir die sexuelle Emanzipation, so macht man auch mich schwul.
Beseitigt man Obdachlose, um das Stadtbild zu säubern, säubert man dieses städtische Bild auch von mir, werde ich zum Obdachlosen.
Verfolgt man Menschen ob ihrer Hautfarbe, ihrer Religion, ihrer politischen Gesinnung, so verfolgt man auch mich, tastet meine Hautfarbe, meine fehlende Religion, meine politische Gesinnung an.
Sperrt man Andersdenkende weg, so bestehe ich darauf, auch selbst weggesperrt zu werden.
Fällt man in Landstriche ein, mordet und brandschatzt, vergewaltigt und foltert, ermordet man auch mich, brandschatzt an meiner Würde, vergewaltigt man meine Ethik, foltert man meine pazifistische Haltung.
Unterdrückt man Meinung, unterdrückt man meine Meinung; unterdrückt man Persönlichkeitsrechte, unterdrückt man meine Persönlichkeitsrechte; unterdrückt man Freiheit, unterdrückt man meine Freiheit.
Interniert man Flüchtlinge auf australischen Inseln, sperrt sie jahrelang hinter Zäune, so interniert man mich, sperrt meinen Gerechtigkeitssinn hinter Zäune.
Ich werde zum Juden, wo man Juden als Übel beleidigt; ich werde zum Schwarzen, wo man Schwarze als faule Nichtsnutze entwürdigt; ich werde zum Indio, wo man Indios aus ihren Dörfern jagt, sie interniert oder vergiftet.

Was man dem Geringsten meiner Mitmenschen antut, das tut man auch mir an. Was an Unrecht und Ungerechtigkeit in der Welt steht, steht auch in meinen Räumen. Nichts geschieht auf der Erde, was nicht auch mich betrifft. Was mich immer betrifft. Wenn sie heute das Gesindel einsperren, ich dabei schweigend, wenn sie morgen die Alten in Kollektivheime stecken, ich dabei schweigend, wenn sie übermorgen ganze soziale Schichten in Wohngegenden pferchen, ich dabei schweigend, wer soll dann sein Schweigen brechen, wer wäre dann noch da, der sein Schweigen brechen könnte, wenn sie mich holen? Jede begangene Untat, jede von Staaten, Industrien, Ideologien, Parteien, Organisationen willkürlich in Kauf genommene oder mit Kaltschnäuzigkeit begangene Untat, ist eine Untat an mir.

Die Welt im Kleinen, vor der eigenen Haustüre zu ändern, damit sie auch vor anderen Haustüren, vor Hütteneingängen, vor Iglupforten, unter Palmenblättern verändert wird, ist ein Ansatz. Das oft gehörte, immer wieder von der Bürgerlichkeit als Praxis der direkten Tat postulierte Reduzieren auf ein "bloß vor der Haustüre ändern", damit eine unsichtbare Hand auch fern unserer zur Hölle werdenden Heimat Änderungen vollziehen würde, greift zu kurz. Den Blick für das Ganze nie verlieren, es persönlich nehmen, wenn Freiheit am anderen Ende der Welt mit Stiefelspitzen getreten wird, solidarisch sein, wenn nicht physisch, so doch psychisch! Wo man dem Geringsten meiner Mitmenschen Unrecht antut, und sei er Mörder, sei er Verbrecher, dem die Vertreter eines Rechtsstaates dennoch Unrecht widerfahren lassen, da tut man mir Unrecht an. Eine Gesellschaft der Zukunft muß begreifen, dass der Flügelschlag eines Schmetterlings Orkane auslösen kann; muß aber auch begreifen, dass Gewalt am anderen Ende der Welt, ebenso Orkane im eigenen Umfeld entstehen lassen kann.