Montag, 16. August 2010

und jetzt...?

Die Kundgebungen sind verklungen, die Presseberichte abgehakt...



Verehrte Anwesende,
erlauben Sie mir ein paar sehr persönliche Worte des Dankes und der Bewunderung.
21 Tage ohne Nahrung, 21 Tage und Nächte ohne ein Dach überm Kopf, 21 Tage unter den Überwachungskameras, 21 Tage gegenüber dieser immer unmenschlicher erscheinenden Festung – eine ungeheure Leistung.
Und dabei ist Firas gelassen, ja, geradezu fröhlich, wenn wir ihn besuchen dort in Schmargendorf, unter seiner Linde, wenn wir mit ihm auf seiner Isomatte sitzen, die nachts ein wenig von der Härte des Metallrostes eines der Absperrgitter nimmt, auf denen er in seinem Schlafsack die Nächte verbringt.
Woher nimmt dieser Mann seine Kraft, wie schafft er es, uns immer den Eindruck mitzugeben, er sei auf dem richtigen Weg, er kenne seine Grenzen, aber er wolle bis an diese Grenzen gehen. Wie schafft er es, uns glaubhaft zu machen, seine Lage hier sei „luxuriös“.
Firas ist stark, unglaublich stark, wenn er nun nach drei Wochen einer unglaublichen physischen und psychischen Tortour nicht klagt, wenn kein Wort der Aggression, der Wut zu hören ist. 
Dies ist ein Beispiel gewaltfreien Widerstandes gegen ein staatliches Unrecht, das wir noch nicht erlebt haben. Und es ist nicht vermessen, an Mahatma Gandhi zu denken, wenn man ihn dort sieht, äußerlich sehr gezeichnet von der Tortour, aber gelassen, froh, ja, fast glücklich.
Wie schafft er das? 
Sicher ist ihm Wiebke, seine Frau, eine unschätzbare Stütze, eine Frau, die wir ebenfalls bewundern, fast so wie Firas, für ihre Solidarität mit ihrem Mann. 
Und sicher helfen auch die vielen Menschen, die ihn wahrnehmen, die Anwohner („meine Nachbarn“ sagt er), die bei ihren Spaziergängen stehen bleiben und sich nach seinem Befinden erkundigen.
Und sicher ist die wachsende Freundesschar, die ihn besuchen kommt, eine Stütze. Er schafft es, den Besuchen bei ihm und auch den Kundgebungen vor Ort für ihn etwas von einer festlichen, fröhlichen Begegnung zu geben, bei dieser Begegnung mit der bitteren Realität der Besetzung Palästinas.
Aber: was tun wir? Was tut die Öffentlichkeit?
Die Medien wachen allmählich auf, nicht nur die sogenannten linken Zeitungen wie „junge Welt“, ND oder auch die TAZ. Nein, auch die Berliner Zeitung hat vorgestern einen langen Artikel gebracht, die Deutsche Welle hat schon zweimal berichtet, von der Süddeutschen Zeitung geht das Gerücht, sie werde Montag nachziehen.
Und vielleicht bringt diese Kundgebung ja auch ein Echo.
Aber: was ist mit den Gewerkschaften?
Was ist mit den Kirchen?
Und vor allem: was tun unsere Politiker? Sie ignorieren das Geschehen. Noch hat keiner unserer Parlamentarier, noch hat keiner aus den Parteien (allen Parteien!!!) den Weg nach Schmargendorf gefunden.
Firas hat geholfen, das öffentliche Bewusstsein zu verändern. Gespräche zeigen, dass die israelische Politik der ethnischen Säuberung keine Unterstützung in der deutschen Bevölkerung hat.
Wann wird unsere Politikerkaste dies spüren? 
Wie immer Firas sich entschließt ‚
– und das ist nur sein und seiner Familie Entschluss –
jetzt in der vierten Woche seines Hungerstreiks zu agieren:
Firas hat in diesen drei Wochen wichtige Zeichen gesetzt, die bleiben werden und an denen auch unsere deutsche Politik gemessen werden muss.
Und er hat Zeichen gesetzt für Gewaltfreiheit im Widerstand gegen Unrecht.
Dank an Firas !

http://www.palaestina-heute.de/Themen/Hungerstreik_Firas_Maraghy_/Kundgebung_15_8_/kundgebung_15_8_.html


Süddeutsche Zeitung, 16.8.2010, Seite 3
nur zur schnellen Information, wird noch formatiert...  fd
Und raus bist du
Von Thorsten Schmitz

Berlin – Wer Firas Maraghy besucht, wird von einer Videokamera der israelischen Botschaft verfolgt. Maraghy schläft nahe der Botschaft, in Grunewald, unter einer Buche. Am Nachmittag, wenn die Botschafts- Angestellten Feierabend haben, wechseln sie den Bürgersteig. Manhat ihnen verboten, mit ihm zu reden.
In der Auguste-Viktoria-Straße sieht man Menschen beim Tennisspiel und wie sie mit iPhone amOhr in Mercedeslimousinen steigen. Wer hier wohnt und arbeitet, dem geht es gut. Maraghy geht es nicht gut. Seit drei Wochen isst er nicht mehr. Er trinkt nur noch. Seine Wangen sind eingefallen, die Augen gerötet, die Jeans schlackert. Er sitzt im Schneidersitz auf einem Stapel Decken. Eigentlich rasiert er sich jeden Tag, aber unter den Buchen gibt es kein Badezimmer, nur ein Baustellenklo. Eine ältere Frau liest das Plakat hinter ihm und sagt: „Aber hier kriegt doch niemand was von Ihrem Protest mit. Sie müssen auf den Kudamm.“ Die Frau möchte ihm Geld geben, aber Maraghy sagt: „Ich brauche kein Geld. Ich brauche Gerechtigkeit.“ Maraghy sitzt nicht auf dem Kudamm, weil die, die ihm sein Recht geben könnten, hinter der Mauer sitzen. Maraghy will, dass der Botschafter ihm ein Reisedokument für seine sieben Monate alte Tochter ausstellt. Doch Yoram Ben-Zeev macht gerade Urlaub in Israel, und sein Pressesprecher ist erst seit zwei Wochen im Amt. Die Botschaft mailt eine Erklärung. Man bedauere, dass sich Maraghy für den Hungerstreik entschieden habe. Die Botschaft bat ihn auch, den Schlafsack nicht direkt am Eingang auszurollen. Aus Gründen der Sicherheit. Es bleibt die Frage, wie gefährlich ein hungernder Palästinenser werden kann. Firas Maraghy ist mit der deutschen Islamwissenschaftlerin Wiebke Diehl verheiratet. Sie haben eine Tochter, Zaynab heißt sie. Maraghy hat in den letzten drei Jahren in Berlin Deutsch gelernt und
eine Ausbildung als Krankenpfleger begonnen. Er ist Palästinenser und stammt aus Ost-Jerusalem. Israel hat Ost-Jerusalem 1967 erobert und später annektiert. Es gibt drei Sorten von Palästinensern: jene, die im Gaza-Streifen leben, jene, die im Westjordanland wohnen. Und es gibt die aus Ost-Jerusalem. Palästinenser besitzen Pässe der Palästinensischen Autonomiebehörde. Die 300 000 Palästinenser in Ost-Jerusalem aber haben ein Laissez-Passer-Dokument, das ihnen Israel ausstellt. Maraghy trägt seines in einer Plastiktüte. Es sieht aus wie ein Pass, ist aber keiner. In ihm steht, dass der Besitzer kein Bürger Israels ist. Israel möchte die Zahl der Palästinenser in Ost-Jerusalem so gering wie möglich halten. Es hat dafür Gesetze geschaffen, die Palästinenser in Ost-Jerusalem zu Bürgern dritter Klasse machen. Wenn ein Palästinenser länger als sieben Jahre nicht in Ost-Jerusalem wohnt, verwirkt er sein Wohnrecht. Im April wollte Firas Maraghy ein Laissez-Passer-Dokument für seine Tochter, doch die Botschaft teilte ihm mit, dafür müsse er nach Ost-Jerusalem. Jüdische Israelis dagegen bekommen in der Berliner Botschaft problemlos Dokumente für ihre Babys. Maraghy möchte nicht nach Jerusalem gehen und Jahre auf ein Dokument für seine Tochter warten. Denn man hatte sich auch geweigert, seine Ehe einzutragen, eine Voraussetzung dafür, dass seine Frau, wenn sie mit ihm nach Ost-Jerusalem ginge, ein Visum bekommt. In der Botschaft riet man Maraghy, er könne für die Tochter einen deutschen Pass beantragen. Doch das will er nicht. Er fürchtet, dass Israel Mutter und Tochter die Einreise verweigert, und darauf spekuliert, dass sich Maraghy für seine Familie und ein Leben in Deutschland entscheidet. Aus Sicht Israels, sagt Wiebke Diehl, „wäre das von Vorteil. Ein Palästinenser weniger in Ost-Jerusalem.“ Seit Monaten schreibt sie Briefe und E-Mails, an den Außenminister, die Bundeskanzlerin, die Fraktionen im Bundestag. Niemand hat bisher geholfen. Firas Maraghys Vater hat Israels Präsidenten Schimon Peres geschrieben, wenn seinem Sohn etwas zustoße, dann sei auch er, Peres, dafür verantwortlich. Diehl sorgt sich um ihren Mann. Aber sie weiß auch: „Ich kann ihn nicht stoppen, wenn er sich einmal etwas in den Kopf gesetzt hat.“ Ein Arzt habe ihn ein paarmal untersucht, „noch geht es Firas einigermaßen gut“. Wenn es regnet, kann sich Maraghy in ein Auto setzen, das ihm ein Ehepaar zur Verfügung gestellt hat mit den Worten: „Wir brauchen es gerade nicht.“ Er trinkt Mineralwasser, das ihm Passanten bringen, die er nicht kennt. Auf einer Facebook- Seite haben sich auch Israelis gemeldet, die schreiben, sie schämten sich dafür, wie er behandelt werde. Man bringt ihm Sonnenblumen, Toilettenpapier, Kerzen. Ein Rentner hat angeboten, Maraghy könne bei ihm duschen. Wie lange er den Hungerstreik fortsetzen möchte, wisse er nicht. „Ich will mir später nicht von meiner Tochter vorwerfen lassen, dass ich ihr nicht geholfen habe, für ihr Recht zu kämpfen.“ Es könnte durchaus sein, „dass sie gar nicht in Jerusalem leben möchte. Aber das soll sie dann selbst entscheiden.“ Bis spät abends kommen Menschen, dann ist Maraghy allein. Baut sich sein Bett unter der Buche, dreht sich eine Zigarette und fragt, ob einen das stört, wenn er raucht. Er hat keine Angst, ganz alleine nachts auf dem Bordstein, sagt er. „Die Kamera der Israelis ist ja die ganze Zeit auf mich gerichtet.“ Und raus bist du

http://www.palaestina-heute.de/Themen/Hungerstreik_Firas_Maraghy_/SZ_16_8_/sz_16_8_.html


Noch einige Links:

http://farmawitv.com/main/ares11.htm



Leider ist Berlin zu weit weg... aber den Tränenbrunnen widmen kann ich:
Wenn ich an Inges Brunnen anknüpfe, dann sind fast 63 Jahre Tränen geflossen, die Tränen der Vertriebenen aud auch die Tränen der Vertreiber mit ihrem riesen Traum von ihrem Staat, einer Heimat, auf ewig…  Überhand hat die zionistische Ideologie gewonnen, die einer ethnischen Säuberung, ein Staat nur für jüdische Menschen.  Und die Tränen fließen weiter…und die Ungerechtigkeit hört nicht auf. Ich weiß jetzt nicht, wieviele Jahre ich nach Informationen gesucht hatte und auch gefunden habe.. Wie halten es die Unterdrückten nur aus? Unterdrückt ist ziemlich untertrieben, ich sehe Willkür, Verhaftungen und Mord. Ich sehe Widerstand in friedlichen Demonstrationen, niedergemacht durch Tränengas  und Gummigeschossen, ich habe Tote gesehen in Niilin,  Bassem in Bilin.  Und das sehe ich Jahr für Jahr. Ich sehe Hebron,  ich möchte nicht sehen, aber ich kann nicht wegschauen. Und jetzt zur Demo am Brandenburger Tor… Ich habe gesucht, wo findet die Demo statt, bin immer im Kreis gegangen, habe geschaut, wer ist ähnlch ratlos und sucht auch? Viele Touristen, große Gruppen mit Stadtführungen, in verschiedenen Sprachen, der in englisch war besonders laut… Japaner, dann eine überlange Limusine mit lautem Gegrölle, nein Jubelschreie waren es. Sie waren toll…. und dann habe ich endlich Menschen wieder erkannt, W.´s  Kinderwagen und auch andere, die schon vor Israels Botschaft waren.  Wir waren nur eine kleine Gruppe, aus unterschiedlichsten Menschen :Deutschland, mir wird bang Ich hatte eine  große Menschlichkeit erwartet, die Solidarität war klein.  Traurig, aber immerhin sind aufrechte Menschen aufgestanden gegen Unrecht.  Mehr solcher Menschen, für eine gerechtere Welt, in einer Millionen Stadt Berlin.
Was geht uns ein Firas  Al  Maraghy an ???
„Wir haben Ramadan“
Was ist mit Firas ?
Wo ist die “ Umma(h)“ ? Die Gemeinschaft?
Er ist Mensch, wie wir auch?
Keine Doppelmoral !
Und was manche nicht begriffen haben, Firas hungert für  andere auch

http://urs1798.wordpress.com/2010/08/15/soliaktion-fur-firas-al-maraghy-15-08-2010-brandenburger-tor-fotos/

Samstag, 14. August 2010

Die Enkelinnen


Eine davon sieht aus, wie ihre Grossmutter, als sie genauso jung war...

Und diese Grossmutter war wiederum die Enkelin von Holocaust-Überlebenden.

Sie sind gegenseitig Cousinen, also es gibt einen Vater der einen, welcher der Bruder der Mutter der anderen ist.

Geheiratet haben diese keine jüdischen Ehepartner.

Trotzdem - alle wuchsen wir im Glauben auf, nie wieder wird es grässliche Dinge geben, jedenfalls nicht von den Ländern, die es versprochen hatten, nach Hitler und nach dem Holocaust.

Alle vertrauten darauf, und wuchsen so auf, auch die beiden Mädchen erst einmal. Inzwischen sind sie älter, keine "Babys" mehr, und haben die Faxen der Erwachsenen heutiger Generationen ziemlich dick.

Dauernd bekommen sie zu hören, sie seien zu oberflächlich, zu egoistisch, würden nichts ernst nehmen, und über alles hinweggehen, als wäre das gar nichts. Aber, sie sagen dazu, vielleicht wollen wir ein Stück weit vergessen, nicht so viel wissen, denn es macht uns fertig.

Sie sind ihren Eltern dankbar, dass sie nicht nach Israel gegangen sind, - dass sie in Europa leben,- auch wenn es nicht immer einfach ist. Denn, wenn sie heute in Israel wären, müßten sie gegen die Palästinenser kämpfen. Die beiden sind ausserdem froh, dass ihre Eltern auch nicht in die USA gegangen sind. Sie meinen, dass sie sich dann schämen müßten für die feindselige und kriegerische Politik, die von dort ausgeht.

Was jedoch in Europa abgeht, gefällt ihnen auch nicht sonderlich gut. Die Beteiligung an den Kriegen der USA, die zunehmende Verarmung der Menschen, die Angst - auch um die eigene Zukunft - und die Wurschtigkeit der Politiker.

Die beiden sagten, dass sie feststellen, dass eben die Politiker mehr und mehr nur noch zusehen, wenn den Menschen etwas zustösst. "Krieg stumpft vermutlich alle ab", sagten sie. Und das wirke sich nun auf alle Bereiche aus. Ausserdem würden die Menschen allgemein immer hilfloser, wenn es um gegenseitigen Beistand gehe.

Anlass für diese Unterhaltung und Äusserungen war eine Meldung, die sie gelesen hatten:

"Deutschland schickte bereits am Samstag als Sofortmaßnahme 100 000 Atemschutzmasken, und auch das französische Außenministerium kündigte 30 000 Atemschutzmasken für Einwohner Moskaus an."

Und, dass die Menschen nicht mehr spenden wollen, wenn es um islamische Menschen geht - Pakistan zum Beispiel.

Die Weltpolitik ist aus dem Ruder gelaufen, weil die Sache mit der Globalisierung nicht richtig abgestimmt war, meinen sie. Es hätte alles vorher sozial geklärt werden müssen, - Standards hätten festgelegt werden sollen, statt drauflos zu machen, und um den Weltmeister im Billigland und Export zu wetteifern auf Kosten der Menschen.

Wer Frieden will, muss dies auch vorleben, ist ihre Meinung. Sie wissen, dass sie vermutlich nicht gehört werden von denen, die es anginge - viele von den Politikern haben gar keine Kinder, was sie - höflich ausgedrückt - nicht gut finden. Allerdings hat Obama Kinder, und der ist auch nicht besser - stellen sie fest.

Aber, dann die Menschen, die Leute, beschimpfen und der Jugend Vorwürfe machen, wenn die Alten selber nichts gebacken bekommen...

Und die Fehler wiederholen, Tendenzen anleiern, von denen gesagt wurde, dass dies alles so "bäbä" sei, dass man das nie wieder haben wollte...

Und? - Was ist nun damit?

Etwas bewegen sollen, selber in die Politik gehen, damit wurden sie auch konfrontiert. Sie wollen nicht so werden wie jene, die schon dabei sind. "Irgendwann werden die alle fast gleich. Das ist so schrecklich, da wollen wir nicht auch gleich gemacht und eingeschliffen werden."

Es ist nicht so, dass die jungen Leute nichts merken. Viele sind nicht auf den Kopf gefallen, aber sie haben nicht alle Menschen um sich, die ihnen helfen, das alles irgendwie einzuordnen. Und sie merken, dass dem, was die Menschen auf dem Herzen haben - auch die jungen Leute - nicht viel Wert beigemessen wird.

Aber, allem ausgesetzt fühlen sie sich - und darum entziehen sich manche, flüchten in die Oberflächlichkeit und in den Trotz. Haben wir das früher nicht auch getan? Wenn auch aus anders gelagerten Gründen vielleicht?

Haben wir daran gedacht, als wir jene wählten, die heute allen diese Welt vorsetzen, von der sich so viele angeekelt abwenden?

Denken wir daran, während wir unsere eigene Hilflosigkeit und Gleichgültigkeit hätscheln? Es stimmt schon: Die Finger mit denen wir auf andere zeigen, weisen alle auf uns selber zurück

Wollen wir es wissen? Nein?


Eben...

Freitag, 30. Juli 2010

Die göttlichen Kritiker

Zum Mindesten fühlen sie sich so: Vom Göttlichen durchtränkt. Aber, auch in der Bibel gab es ja das Beispiel des Samariters - nicht angesehen, nicht als Gott wohlgefällig bezeichnet, und doch war jener der Einzige der half, als ein anderer, ein angesehener Kaufmann auf seinem Wege überfallen worden war. Alle anderen - jene Gesegneten, Wohlgefälligen, waren vorüber gegangen.

Diese Geschichten werden heute ungern zitiert und gepredigt, besser ist es ja, den Leuten noch mehr Angst zu machen, sie noch mehr anzustacheln alles bei sich zu behalten - die Apokalypse, Hölle, Tod und Teufel zu beschwören. Die Zeiten sind danach, also wird es auch von Einigen geglaubt, und danach gehandelt.

Das Bild davon, was den Menschen heilig sein könnte, als göttlich bezeichnet werden könnte, wird noch mehr verzerrt, als es dies sowieso schon ist.

Das, was als Kritik zur Sittlichkeit von den selbstberufenen Gottesfürchtigen vorgebracht wird, ist eigentlich genau betrachtet ein Witz - war es schon immer, und bleibt einer. Denn, was nicht in den Sonntagspredigten dazu vorkommt, nicht explizit erwähnt wird, ist jene Tatsache, dass in der Bibel eben nichts davon geschrieben steht bei der Geschichte von Adam und Eva, dass sie nackt aus dem Paradies geworfen wurden. Als sie dort hinausgewiesen wurden, waren sie bekleidet. Das war notwendig geworden auf Grund ihrer Gier, des nie genug des Menschen, weil sie auch noch den letzten Apfel wegfressen mußten...

Die Schande der Nacktheit ist eine Erfindung des gierigen Menschen, seit dem Paradies der Bibel, wenn es denn schon göttlich sein darf. Und, seitdem kämpft sich der Mensch mehr oder weniger edel durch seine Gelüste, Bedürfnisse, Gegebenheiten, - mal mehr, mal weniger erfolgreich, doch die Gier ist geblieben.

Und das Deuten mit dem Zeigefinger auf andere, das Sündenbock-kreieren, die Feigheit.

Hier einige andere Stimmen dazu, von dem mehr oder weniger erhabenen Geseire um die Sittlichkeit soll es genug sein:



Ersthelfer bei der Love Parade

Noteinsatz in "Lage 2"

Von Julia Jüttner, Duisburg

Sie waren die ersten Helfer am Ort der Katastrophe, und sie kämpften um jedes Leben. Notarzt Frank Marx schildert auf SPIEGEL ONLINE die Rettungsaktion beim Love-Parade-Drama, den schlimmsten Einsatz seines Lebens - "Lage 2" war für ihn der "Vorhof zur Hölle".

Mehr erfahren:

http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,709330,00.html


Und so ein Oberbürgermeister, der mit den Veranstaltern zusammen die Sache verbockt hatte, kann nicht so einfach zurücktreten. Das ist nicht vorgesehen in der Gemeindeordnung von Duisburg. Entlassung ist zu hart, da verliert der Mann die ganze schöne Knete - schliesslich hat er seinen Standard, da braucht er das Geld...

http://www.faz.net/s/RubCCB49507459C498F8E6FA9E990486D14/Doc~EF9729A95245546439A3B707D625080D7~ATpl~Ecommon~Scontent.html

Mittwoch, 21. Juli 2010

"Zum Wohle des deutschen Volkes" --- diese Formel abschaffen! --- einer spricht es aus

Der im NRW Landtag vertretene türkische Abgeordnete der Grünen, Arif Ünal, stellte am 09.06.2010 den Antrag, die Eidesformel „Zum Wohle des deutschen Volkes“ abzuschaffen. Dem Antrag wurde einstimmig zugestimmt!


Dienstag, 20. Juli 2010

Die Schwäche von Macht und Stärke





Der Mythos der Überlegenheit und Stärke


Menschen wollen heute mitbestimmen, - mit abstimmen,- auch und gerade, wenn es um Politisches geht. Leider stimmen sie gegen andere damit, und oft auch so, wie es populär erscheint, oder eben egoistisch.

Andererseits halten die Bürger auch gerne still, mucken nur ungern auf, sind selbst mit der geballten Faust in der Tasche noch ergeben. Manche, die den Drang zum Widerstand verspüren, benötigen dafür wiederum eine Art Guru, eine Führerfigur, der sie, diese anhimmelnd und absolut setzend, nachfolgen können.

Immer und immer wieder Unterwerfung, manchmal unter den Wahnsinn eines anderen, Mächtigen. Dabei wenden sich Menschen gegen ihre eigenen, besten Vorsätze, vor allem auch gegen ihre Gefühle,- gerade diese werden in der heutigen Zeit gerne lächerlich gemacht, abgesprochen, verleugnet. Nach der Verleugnung fühlen sich die Menschen erst einmal erhaben, schliesslich sind sie ja nun angeblich richtig geworden, im Sinne ihrer Führung. Wenn Herrschende ihr Volk zu mehr Demut auffordern, meinen sie damit Unterwerfung, und meistens erhalten die Mächtigen auch die Antwort darauf - indem sich die Meisten unterwerfen. Wer will denn schon unbescheiden und aufmüpfig sein?

Jeder rackert sich irgendwie ab, egal ob es Sinn macht oder nicht, und meutert nicht gegen ein System, das die Menschen lediglich um der Unterwerfung willen, - um den Schein zu wahren,- zu Arbeiten zwingt, die irgendwie erfunden werden, weil es die alte Art der Arbeit nicht mehr zu geben hat. Fast jeder der dies tut, hat nach getanem Werk ein tugendhaftes Gefühl, denn er ist nicht faul gewesen.

Und wieder war man ein braves Schaf in der Herde jener, die diese Schafe am meisten belügen und betrügen, verachten, beherrschen, unterdrücken und zerstören, ohne mit der Wimper zu zucken. Aber, der Gehorsam verschafft so ein gutes Gefühl, erlöst eine Weile von der Angst, die den Menschen gemacht wurde und wird. Der Gehorsam wischt die Bedenken eine Weile hinweg, und vertuscht die Furcht vor der eigenen Hilflosigkeit. Die Verachtung der Herrschenden ist die Zuflucht der Verachteten, weil diese sich letztendlich selber nicht achten.

Das eigene Streben nach Macht, nach Erfolg, Überlegenheit und mehr von allem ist die Legierung über der Panik vor dem eigenen Versagen. Gerade die Angst, die Hilflosigkeit, die Furcht erleben wir nicht als Warnsignal, sondern als auszumerzende Schwäche - und nur darum konnten Typen wie Stalin und Hitler zu göttlichen Vaterfiguren werden.

Heute ist es eine mächtige angebliche Mutterfigur, an der auch nichts stimmt, genau genommen. Das macht aber nichts, denn sie hat die Macht über das Land, das genügt. Wir verherrlichen diese Figuren, damit wir uns besser fühlen. Wir tun dies selbst dann, wenn wir in der Tiefe unter allem anderen Wust ihre Minderwertigkeit, ihre Hohlheit, und ihren Hass auf Leben und Lebendigkeit erkennen. Wir himmeln sie an, und ahmen sie in allem nach, obwohl wir merken und erkennen, dass es falsch ist.

Keiner der Herrschenden hatte und hat magische Eigenschaften, mit denen er die Menschen verführt. Wenn wir uns verzaubert fühlen von solchen Leuten, dann weil wir das so wollen,- weil wir diese Herrschenden mit Qualitäten ausstatten, die sie gar nicht haben.

Selbst Hitler hatte keine sonderlichen Qualitäten, und auch heute haben Herrschende diese nicht. Wir projizieren das alles auf sie, es ist der Lebensersatz für uns in der Unterwerfung. Schliesslich werden wir damit von der eigenen Verantwortung befreit, - wenn wir fremdbestimmt sind, können wir das alles ja nicht selber verantworten.

Kein einziger Politiker kann auch nur eine Menschenseele zerstören, wenn diese Menschenseele dies nicht zuläßt. Wer aber, als sein eigener Feind, zum willigen Partner der Herrschenden wird, bei dem ist Zerstörung zu machen.

Was wissen die meisten Menschen denn von ihren wahren Bedürfnissen? Indem sie gehorchen, sind sie davon abgehalten, genauso, wie von der eigenen inneren Leere, die entstanden ist. Unterwerfung verschafft die scheinbar schützende Decke einer Pseudo-Heiligkeit, einer Placebo-Erhabenheit, unter der die innere Verwüstung weiter voranschreitet.

Damit machen sich dann viele auf, und zerstören wieder andere, - jene Feinde die sie ausgemacht zu haben meinen.- und an denen sie lediglich ihre verborgenen Wunden rächen und abreagieren. Und wieder ziehen Soldaten in den Krieg, der angeblich so wichtig ist. Für wen? Und wieder lassen wir sie sich opfern für eine Sache, die wir selber nicht verstehen. Es ist immer für irgendein höheres Ziel, eines läßt sich immer finden - aber nicht alle Zwecke heiligen die Mittel.

Unterwerfung bedeutet Selbstauflösung bei - noch - lebendigem Leibe, und jede Ideologie die uns übergebraten wird, ist das Paradox unseres Unterwerfungsdrangs. Unterwerfe Dich! - Löse Dich auf! - es ist ja eine gute Übung für den Tod, da passiert das ja auch, und schliesslich muss jeder mal sterben.

Wir kämpfen uns durch eine leere Hülle der Macht voller Abstraktionen, die alle nicht dem Leben dienen. Wer der Idelogie der Macht widerspricht, wird manchmal verfolgt - denn, wenn einer widerspricht, bedroht er die Existenz der Lüge. Manche kritisieren die Art der Herrschaft, stellen sie aber nicht in Frage, weil sie selber der Macht huldigen.

Das ist auch bei den Kirchen so, bis hinein in die kleineren Gemeinschaften. Einer kann privat noch so ein Feigling sein, allen Problemen aus dem Weg gehen, sie vermeiden und Gott zuschanzen, und allen Frust an anderen auslassen,- am Wochenende dann, als Gemeindevorsteher, als Hilfsprediger, ist er endlich wer und kann anderen sagen, wo es mit der göttlichen Macht langgehen soll. Aufgeblasen vor Machtlust kann der Mensch seinen Frust, seine Verletzungen eine Weile vergessen, und sich einbilden, dass er den anderen überlegen ist.

Nein, in den Kirchen kommen die Menschen nicht als Gleichberechtigte zusammen, davor bewahre das verwaltete Heil. Es wird missbraucht was das Zeug hält, gerade auch durch Gruppendruck, durch den Machtanspruch derer, die sich zur Macht kriechen, um dann die anderen zu unterwerfen.

"Schau, wie ich mich aufopfere!" - und wie heilig alles dadurch erscheint, auch wenn die Taten noch so schrecklich sind. "Gott hat es so gewollt, denn ich tue doch alles nur für ihn!" Der Hass auf die eigene Lage kann wieder einmal verborgen werden. Martyrium als Liebe für den Tod - verdeckt durch den Einsatz für eine Sache - wie es auch Frau Merkel in Bezug auf unsere Soldaten wieder mehr und mehr herausstreicht.

Kriege, Gefahr, Feindseligkeiten werden herausgefordert, weil diese den Hass auf andere rechtfertigen. Alles, was die Idelogie der gerade gängigen Macht angreift, wird zum Feind. Alles was das erhabene Selbstbild dieser verinnerlichten Ideologien angreift, wird zum Gegner. In einer Politik, die auf Unterdrückung aufbaut, kann es nichts anderes geben, denn sonst würde dieser Politik ja ihre Grundlage fehlen.

Jede Politik der Stärke und Unterdrückung der Schwächeren ist von vorneherein Betrug am Leben. Die Herrschenden hassen nicht jene, die auch Macht haben wollen, sondern die, welche das Ganze durchschauen, und den Lebensbetrug gefährden.

Moral wird gerne abgelehnt, aber ohne eigene Moral ist alles beliebig und ohne eigene Orientierungsmöglichkeit. Es ist dann gleichgültig, wem ein Mensch gefällig ist, Hauptsache es bringt etwas ein an Vorteilen. Trotz des Leidens an den Lügen der Macht unterwirft sich der Mensch, dies tun auch manche, die sich für Rebellen halten.

Wichtiger ist jene Haltung, die bei sich selber, bei der eigenen Festigkeit der selbstgefundenen, selbsterkämpften, gelebten Moral bleibt,- egal, was im Leben auch immer zustossen mag. Bei den eigenen Gefühlen bleiben, diese sich nicht absprechen lassen, - die Zeit nicht vergeuden mit dem Warten auf Befriedigung des Wunsches nach Gleichwertigkeit, die nie kommt. Sich nicht auf Kosten anderer stärker fühlen wollen...

Sehen, wie andere wirklich sind,- wie die Macht wirklich ist. Es ist die Rache der Kanzlerin Merkel an allen, - der Politiker für ihre Art Fruist,- wenn sie ihren Bürgern abverlangen, dass sie mehr leisten sollen für fast nichts, als sie selber zu tun bereit sind - weil der Bürger ansonsten angeblich nichts taugt.

Doch eifrig wird diese Art des Denkens übernommen, und viele beten es nach. 
Die ureigene Moral eines gefestigten Menschen hilft ihm, damit er an seine eigene Wahrheit glauben kann. Wer um seine eigene Wahrheit nicht weiss, der kann anderen nicht zuhören, kann diese nicht in deren eigener Wahrheit respektieren. Ohne Machtgehabe verschafft diese Wahrheitslosigkeit aber nur Verzweiflung,- und gegen diese Verzweiflung wird dann Macht missbraucht.

Wir sind für die USA und deren Präsidenten in den Krieg gezogen, um ein anderes Volk aus der geballten Überheblichkeit heraus zu unterdrücken,- wir massen uns an, über den Islam zu urteilen,- andere Menschen zu verachten, weil sie anders glauben und leben als wir. Im Namen des Fortschritts, statt der dahinter versteckten alten Rassismen und Feindseligkeiten, tun wir es, aber das ändert nichts am zerstörerischen Tun, und dass das alte darunter nur verborgen ist.

Bevor wir uns nicht mit unseren eigenen Ängsten und Hilflosigkeiten auseinander gesetzt haben, erkennen wir die Gründe nicht, die uns antreiben. Wer dieser Auseinandersetzung aus dem Weg geht, verliert die Zusammenhänge der Lebendigkeit und des Lebens aus den Augen. Scheinheiligkeit verhilft dann dazu, wenigstens so zu tun als ob man eine Moral hätte.

Die Politik und Moral der Stärke akzeptiert nur ungern die Grenzen, die der Mensch nun einmal hat. Das bedeutet aber nicht, dass ein Mensch mangelhaft wäre, der um seine Grenzen weiss,- im Gegenteil, es bewahrt diesen vor Grössenwahn, und vor dem Ausweichen vor sich selber.

Die eigentlich schwachen Menschen sind jene, die herrschen müssen, die Macht brauchen wie das tägliche Brot,- die auf ihre Stärken und Überlegenheiten pochen müssen, weil sie sich sonst unterlegen fühlen würden. Sie hätten die Berechtigung zu diesem Gefühl, denn eigentlich sind sie die Unterlegenen,- darum blasen sie sich so auf.

Wer die Existenzberechtigung der Menschen an Macht und
Stärke festmacht, der schafft sich ein Pulverfass. Es mag wieder 40 Jahre dauern, aber dann fliegt es ihm um die Ohren.





Donnerstag, 15. Juli 2010

Der Buchtitel ist schon zynisch...

...aber das fällt den meisten Leuten schon gar nicht mehr auf.



Journalisten der Bild-Zeitung haben ein Buch geschrieben. Der Titel: "Ruhet in Frieden, Soldaten!"
In dem Buch werden Vertuschung, und falsche Vorwände angeprangert. Das Sterben für den Sachzwang der Regierenden ändert sich dadurch nicht, und der fromme Wunsch, dass die getöteten Soldaten dann wenigstens in Frieden ruhen mögen, wirkt auf einen nicht abgestumpften Menschen wie eine Ohrfeige in das Gesicht jener, die an "Leib und Seele verstümmelt" wieder herauskommen.

Doch was wundert es noch? Die gesamte Politik ist inzwischen nur noch purer Sachzwang und Zynismus, die einem gesamten Volk übergebraten werden, ob es so passt, oder nicht. Das Wohl und Wehe der Menschen steht dabei kaum noch zur Debatte, oder es wird so getan als ob.

Wie immer bei Politik, egal welcher Art und Richtung, finden sich willige Erfüllungsgehilfen, oder solche potentiellen Helfer werden vereinnahmt, so auch hier. Verteidigungsminister von und zu Guttenberg unterstützt die Autoren und das Buch, obwohl er einige Kritikpunkte - aus seiner Sicht, versteht sich - vorbrachte. Wer aber einen Minister zur Unterstützung seiner Werksvorstellung präsentieren kann, ist mindestens vereinnahmt.

Zudem ist das Buch den Soldaten gewidmet - wobei dann wieder der Titel des Buches sich widerlich und höhnisch ins Blickfeld schiebt - nachdrücklich darauf beharrend, dass es den Toten, vielleicht auch den Sterbenden gilt. Was aber ist mit den Lebenden? Sind sie mehr als Kanonenfutter einer marodierenden Sachzwangpolitik?


Es wird suggeriert, dass es keinen Ausweg gibt. Fakt ist aber, dass ein anderer Ausweg nicht gewollt ist.

Ein guter Artikel dazu findet sich auch hier:

http://www.hintergrund.de/201007141002/globales/kriege/zynische-aufklaerung-ueber-afghanistan.html

Das rote Tuch des Tages: Ein Mitarbeiter der Arbeitsagentur hat mich nicht zu berühren - noch nicht einmal am Ärmel...

Wenn ich eine Arbeitsagentur aufsuche, erwarte ich, anständig behandelt zu werden - denn ich selber bin schliesslich trotz aller Ärgernisse bereit, auch den Anstand zu wahren. Auch wenn ich im Rollstuhl sitze, will ich nicht, dass ich angefasst werde.

Wer mich am Gehen hindern würde, den würde ich beschuldigen, meine Bewegungsfreiheit zum Mindesten einschränken zu wollen - die Keule der Freiheitsberaubung würde ich aber ungeniert vorbringen, wenn ich massiv gehindert würde.

Allerdings ist mir dies noch nicht passiert.

Es soll aber nun vorgekommen sein, dass ein Mensch in einer Arbeitsagentur gewaltsam gehindert wurde, zu gehen, und dabei körperlichen Schaden genommen hat.

http://www.gegen-hartz.de/nachrichtenueberhartziv/eskalation-in-der-hartz-iv-behoerde-0192.php


Eskalation in der Hartz-IV Behörde

Homberg: Schlägerei in der Homburger Arbeitsförderung – Wurde ein Hartz IV Bezieher durch einen Arge Sachbearbeiter angegriffen und verletzt?

 15.07.2010) Zu einer handfesten Auseinandersetzung zwischen einem Hartz IV Betroffenen und einem Sachbearbeiter ist es in der Arge Schwalm-Eder in Homberg gekommen. Dabei wurde der Sachbearbeiter und Hilfeersuchende verletzt. Der Fall wurde bekannt, nachdem der Erwerbslosenverein "Oase" diesen Fall öffentlich gemacht hatte.

Nach Darstellung des Vereins soll der stellvertretender Vorsitzende der "Oase", Norbert Gimbel, sich in der Arge geweigert haben, einen Scheck zu quittieren. Daraufhin soll der Sachbearbeiter den Mann bei Herausgehen "von hinten gepackt, herumgewirbelt und in den Schwitzkasten genommen". Anschließend soll der Sachbearbeiter den Erwerbslosen "übers Knie geworfen haben und anschließend Gimbel die Treppe herunter stürzen lassen". Durch diese körperliche Auseinandersetzung habe sich der Erwerbslose "mehrere Blutergüsse und einen Rippenbruch" erlitten.

Die Arge Schwalm-Eder in Homberg bewertet den Fall indes anders. So sagte der Arge-Geschäftsführer Hans-Gerhard Gatzweiler gegenüber "Kreisanzeiger Online": "Mein Mitarbeiter hat versucht Herrn Gimbel am Gehen zu hindern, indem er ihn am Arm gepackt hat", jedoch habe der "Kunde" dem Mitarbeiter "zwei Faustschläge" verpasst. Erst danach hätte der Sachbearbeiter "zum Selbstschutz" Nobert Gimbel in den "Schwitzkasten" genommen. Weitere Arge-Mitarbeiter hätten im Anschluss die Kontrahenten getrennt. Von einem Treppensturz wollte der Arge-Geschäftsführer nichts wissen. Das sei ihm unbekannt. Der Arge-Sachbearbeiter hätte nun einen Strafantrag gegen den Oase Vize-Vereinsvorsitzenden gestellt. Allerdings räumt Gatzweiler gegenüber Kreisanzeiger Online ein, habe sich der Mitarbeiter "ungeschickt verhalten". Der Arge-Chef bewertet die Handlung seines Mitarbeiters als "spontane Reaktion".

Konsequenzen werde es für Arge-SB vorerst nicht geben, so Gatzweiler. Der Homborger Vize-Landrat Winfried Becker bwertete den Vorfall als "ausgesprochen schlimm". Mögliche Konsequenzen würden erst dann gefällt werden, wenn es Ergebnisse im laufenden Strafverfahren gebe. "Sofortige personelle und organisatorische Konsequenzen" fordert hingegen der Erwerbslosenverein "Oase": Der Arge SB müsse sofort entlassen werden und der Leiter der Arge ausgewechselt werden. Denn Vorgesetzte seien für das Klima in einer Hartz IV-Behörde verantwortlich. (sb)